Menu Kontakte

27/11/20

Was macht ein Aufgussmeister?

Was macht ein Aufgussmeister? Diese Frage stellen wir Nicola Fabbianelli, dem Referenten für Modernen Aufguss des italienischen Verbands für Saunen und Aufguss Aisa und langjährigen externen Mitarbeiter von Starpool.

Nicola hat eine lange Erfahrung in diesem Bereich, er war Dozent an der Aufguss-Schule von Chron4 in Reischach und Leiter des Sauna-Zentrums JutaSpa in Trient. Er gewann zahlreiche Auszeichnungen nicht nur bei Aufguss-Meisterschaften auf nationaler Ebene, sondern erreichte 2011 den fünften Platz bei den Weltmeisterschaften.

Es gibt niemanden, der uns so gut wie er die Merkmale eines guten „Saunameisters“ veranschaulichen, ein paar Geheimnisse verraten und erklären kann, wie ein Aufguss durchgeführt wird.

Der Fachmann beantwortet unsere 10 Fragen.

Was macht ein „Saunameister“ bzw. ein Aufgussmeister?
„Der Aufgussmeister kümmert sich um den Betrieb des Saunabereichs, er empfängt die Gäste, erläutert die unterschiedlichen Saunagänge, erklärt die verschiedenen Ausrüstungen und, wie man sich im Spa verhält, und führt natürlich außerdem die Aufgüsse durch.“

Wie wird man „Saunameister“ und welche Kompetenzen muss man aufweisen?
„Um Saunameister zu werden, muss man einen entsprechenden, von den unterschiedlichen Verbänden und Unternehmen angebotenen Kurs belegen. Der mit 40 Stunden umfassendste Kurs, der mit dem Aufgussmeister-Diplom abgeschlossen wird, ist der des AISA. Eine weitere Möglichkeit bieten die Kurse für Spa-Mitarbeiter. Diese dauern 8 oder 16 Stunden und schließen mit einem Attest der jeweiligen Schule ab. Der Kursteilnehmer kann dann zu einem späteren Zeitpunkt die fehlenden Stunden beim AISA nachholen und an der schriftlichen und praktischen Prüfung teilnehmen.
Für die Teilnahme an den Kursen müssen keine besonderen Voraussetzungen erfüllt werden. Es ist lediglich ein ärztliches Attest vorzulegen, das den Gesundheitszustand und die körperliche Tauglichkeit bestätigt.“

Gibt es diese Praxis weltweit?
„In den vergangenen zehn Jahren erlebte der Aufguss eine enorme Verbreitung. Heute gibt es ihn europaweit und immer mehr Hotel-Spas bieten ihn an. So gibt es immer mehr Bewerbungen für die Teilnahme an den Kursen und seit 2011 wurden in Italien etwa tausend Aufgussmeister ausgebildet.“

Wie sieht ein Aufguss-Ritual aus?
„Ich erkläre es gerne so: Wenn man zum ersten Mal einen klassischen Aufguss sieht, kommen einem die Rituale der Indianer in den Sinn: Sie warfen Kräuter ins Feuer und mit dem aufsteigenden Rauch wurden die Götter verehrt und ihnen für ihren Schutz gedankt. Mit dem Aufguss verhält es sich sehr ähnlich. Der „Saunameister“ gießt Wasser oder aromatisierte Eiskugeln auf den Ofen. Der aufsteigende Dampf wird durch die Bewegungen des Handtuchs in Richtung der Saunabesucher gelenkt und als starke Hitze wahrgenommen. Auf diese Weise wird die Transpiration angestoßen und es kommt zu einer starken Schweißabsonderung.“

Wozu dienen die ätherischen Öle und warum werden sie mit Eis vermischt?
„Ätherische Öle sind wie eine Liebkosung für die Sinne und erregen die Aufmerksamkeit des Gastes. Auch die Musik und die harmonischen Bewegungen des Handtuchs sollen die Aufmerksamkeit des Saunagasts von der Hitze und der körperlichen Anstrengung ablenken, die durch die Durchschnittstemperatur von 90°C empfunden wird.
Die ätherischen Öle dienen der der thematischen Gestaltung des Saunagangs und sollen den Gästen zusätzlichen Nutzen bringen. Ein Beispiel? Meistens werden ätherische Öle mit entspannenden, belebenden und balsamischen Eigenschaften gewählt.

Welche technischen Eigenschaften muss die Sauna aufweisen, damit das Ritual so gut wie möglich durchgeführt werden kann?
„Je größer die Sauna ist, desto besser lässt sich das Ritual durchführen.
Dennoch darf eine Sauna nicht nach den darin verfügbaren Sitzplätzen beurteilt werden, sondern nach dem Platz, der dem Aufgussmeister zur Verfügung steht. Auch die Höhe der Sauna ist ein sehr wichtiger Faktor. Für die harmonischen Bewegungen des Handtuchs ist eine Mindesthöhe von 235 bis 240 cm erforderlich.
Die Position des Ofens ist dagegen nicht so wichtig. Natürlich hat der Aufgussmeister bei zentraler Aufstellung des Ofens mit einem Abstand von 110 bis 120 cm zur Sitzbank genug Platz, um sich frei im Raum zu bewegen und allen Saunabesuchern gerecht zu werden. Aber auch ein Wandofen mit einer 3 bis 4 Quadratmeter großen Fläche davor ist eine gute Alternative.“

Warum mögen die Gäste das Ritual?
„Das Können und die Professionalität des Aufgussmeisters liegen darin, die Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen, indem er die Saunabesucher in immer neue Rituale mitnimmt und sie sowohl auf spiritueller, aber vor allem auf emotionaler Ebene involviert.
Ein Aufguss hat auf die Saunagänger alle Vorteile wie eine finnische Sauna und einige andere mehr. Mithilfe der Musik, der durch das gedämpfte oder bunte Licht geschaffenen Atmosphäre und der tanzähnlichen Bewegungen des Aufgussmeisters dringt ein Aufguss bis in die Seele.“

Was sind die richtige Position und das richtige Verhalten während eines Aufgusses?
„Nicht nur während des Aufgusses muss der Saunagast bestimmte Regeln beachten.
Eine Sauna betritt man ohne Badebekleidung bzw. nicht in Bekleidung aus Kunstfaser oder in Mikrofasertücher gehüllt (eine Alternative wäre ein leichtes Baumwolltuch, ein sogenanntes Pestemal HIER LESEN (den Link zur Website); setzen oder legen Sie sich mit dem ganzen Körper auf das Handtuch, die Haut darf die Holzbank nicht berühren; nehmen Sie eine entspannte und der Umgebung angemessene Position ein und vermeiden sie zweideutige Stellungen; respektieren Sie die Ruhe und Stille.
Eine Besonderheit? Wenn ein Saunabesucher während des Aufgusses die Arme hebt, ist dies eine Aufforderung an den Saunameister, mehr warme Luft herüber zu bewegen.
Haben Sie jemals jemanden mit Hut in der Sauna gesehen? Er schützt den Kopf vor zu starker Hitze, wodurch man es länger in der Sauna aushält.“

Wie viele Rituale kann ein Aufgussmeister im Laufe des Tages durchführen?
„Die Hauptaufgabe des Aufgussmeisters ist, dafür zu sorgen, dass sich die Gäste wohl fühlen. Ich vergleiche unsere Funktion immer mit der einer Kosmetikerin: Bei der ersten Massage wendet man immer mehr Energie, mehr Konzentration und mehr Aufmerksamkeit auf; je mehr Massagen man im Laufe des Tages vornimmt, desto weniger Engagement kann man den Gästen zukommen lassen.
Ein gut trainierter Saunameister schafft durchschnittlich drei bis vier Aufgussrituale pro Tag, am besten ist es, wenn zwischen ihnen ein Zeitraum von etwa 90 Minuten liegt.“

Ist es wichtig für ein Spa, einen Aufgussmeister zu haben?
„Die Figur des Spa-Mitarbeiters und des Aufgussmeisters ist heute von entscheidender Bedeutung. Die Kunden haben Erfahrung und haben selbst schon Aufgüsse erlebt oder kennen sie vom Hörensagen. Der Gast soll merken, dass er umhegt und verwöhnt wird.
In Nord- und Mittelitalien ist es mittlerweile üblich, dass man einige Wochenenden im Jahr in einem Wellnesszentrum oder Spa auf dem Land verbringt, in dem die unterschiedlichsten Behandlungen angeboten werden. Die Saunarituale können Teil eines Pauschalangebots sein, in Kombination mit Massagen, Peelings oder kulinarischen Genüssen. So können dem Gast Wellness-Erfahrungen geboten werden, die sich unter wirtschaftlichem Gesichtspunkt auch für die Strukturen lohnen.“

ähnliche Artikel

unsere Wellness-Profis stehen
Ihnen gerne zur Verfügung

Kontakte